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Die Amazonen - Mythos oder Fakt?
Es gibt einige Orte, an denen sie gelebt haben sollen, die wehrhaften Frauen der frühen Antike. Zum Beispiel auf der Insel Lemnos (Limnos) im Nordosten der Ägäis. Nahe Poliochni wurden die Reste einer Stadt ausgegraben, die gewaltiger als viele andere Städte der Antike gewesen zu sein scheint. Selbst die Reste von Troja wirken im Vergleich eher kümmerlich. Hinweise auf ein Matriarchat sind vielfältig: die wohl fünf Meter hohe Schutzmauer wies bereits Scharten für Bogenschützen auf und die Amazonen galten sowohl als erstklassige Schützen als auch als exzellente Reiterinnen. Bogenschützen waren in der frühen Bronzezeit relativ selten und galten als wirkungsvollste Waffe der matriarchalischen Stämme. Lemnos wird in antiken Sagen (unter anderen in der Argonautenfabel) als von "Frauen beherrscht" (gynaikokratumene) bezeichnet. Übrigens: Auch Kolchis, in das Jason später weiter reiste, soll ursprünglich von Frauen beherrscht worden sein.
Eine andere Heimat der weiblichen Krieger war die nördliche Türkei, hier speziell die Region um den Fluss Thermodon, heute Terme Cay. Der Fluss mündet östlich der Küstenstadt Samsun ins Schwarze Meer. Irgendwo an diesem Fluss, der übrigens durch fruchtbares, durch Berglandschaften fast talartiges Gelände fließt, muss die berühmte Metropole Themiskyra gelegen haben, Hauptstadt dieses Amazonenstaates. Archäologen fanden einige bis zu 5000 Jahre alte Artefakte, die sich allerdings komplett von dem unterschieden, was um dieses Amazonental herum gefunden wurde. Interessanterweise belegen die Fundstücke eine für die Zeit enorme Kulturstufe und einen recht eindeutigen Wohlstand. Und: Die Damen der Region hatten offenbar ein Faible für Körperbemalungen oder Tatoos... Im Schwarzen Meer findet sich außerdem Aretias, auch "Insel der Amazonen" genannt. Obwohl im islamischen Einflussbereich gelegen, finden auf der Insel bis heute Feierlichkeiten statt, die an früh-bronzezeitliche Traditionen knüpfen und eindeutig von Frauen dominiert werden. Sehr zum Ärger traditioneller Muslims...
Lange vor dem sollen die Amazonen aber in der Sahara ihre Heimstatt gehabt haben, in einer Zeit, in der die Wüste noch gut bewohnbar war. Spuren finden sich unter anderem in Libyen, in den Bergen von Fezzahn; . Felszeichnungen und Gravuren von Personen, die im Outfit mit den Bildern übereinstimmen, die uns die Griechen von den Amazonen hinterließen: Frauen mit spitzrunden Kappen und Bogen. Die wohl deutlichste Darstellung der Art findet sich in Wadi In Habether, in Südwest-Libyen (was vielleicht eine Inspiration des Herrn Ghaddafi für seine weibliche Leibgarde war)... In diesen Regionen fanden die expandierenden Araber früh Feinde: die Berber. Diese Stämme lebten offenbar lange nach den Traditionen des Matriarchats und nennen sich und ihre Sprache bis heute "Amazigh". Es braucht wenig Phantasie, um Amazigh mit Amazone zu verbinden. Die Araber waren gnadenlos im Kampf gegen die Berber, trafen aber auch auf einen ebenso gnadenlosen Widerstand. Im Verlauf der ersten arabischen Invasion trafen sie zum Beispiel auf den erbitterten und lange erfolgreichen Widerstand der Stämme unter Leitung der Berber-Königin Kahina. Sie brachte den anbrandenden Machos so derbe und peinliche Niederlagen bei, dass die arabische Geschichtsschreibung sie am liebsten ganz von der Liste der Weltgeschehnisse streichen würde. Kahina führte ihr Leben wie die legendären Amazonen und bevorzugte Freizeitbeschäftigungen wie Bogenschießen, Reiten, Reiterkampf, Schwertfechten, Speerwerfen etc.
Sicherlich hat Kahina auch einiges zur Frauenfeindlichkeit im Islam beigetragen. Denn sie führte den Krieg lange glücklich und siegreich und musste sich letztlich nur der anbrandenden Masse ergeben. Ob sie in der Schlacht fiel, Selbstmord beging oder von den Eroberern hingerichtet wurde? Niemand weiß es genau... Weitere Hinweise sind bauliche Übereinstimmungen. So sind erhaltene Berberfestungen identisch mit dem Bauwerk, dass auf einer antiken griechischen Vase die Festung von Themiskyra darstellen soll. Ach, äh, hatte ich schon erwähnt, dass bei heute meistens nur die Frauen der Berber das Alphabet des Stammes (Tifinagh, eine Weiterentwicklung der altlibyschen Schrift) beherrschen? Und das sie bis heute fast ausschließlich um die Kunst von Schreiben und Lesen bemüht sind? Das die Dichtkunst und Literatur der Berber fast allein auf Arbeiten von Frauen fußt? Männer haben da andere Dinge im Kopf. Was erleben wir bei den Tuareg, eine bis heute von Frauen dominierte Gesellschaft? In diesem Matriarchat herrschen immer wieder Frauen, und der Besitz der Familie wird im Erbe nicht vom Sohn, sondern von der ältesten Tochter verwaltet. Aber: die Tuareg sind eine aussterbende Kultur, die erst von der Kolonial-Macht der Franzosen besiegt wurde.
Mit dem Islam hat man/frau sich offiziell "arrangiert", aber niemand weiß genau, was sich rund um das Hoggar-Massiv inmitten der Sahara wirklich abspielt. Die ihre Freiheit fanatisch liebenden Tuareg schotten sich - so gut es geht - ab. So erfuhr Europa - Gottseidank- erst spät von Abalessa, der alten, zerfallenen Tuareg-Hauptstadt in der Hoggar-Region und dem dort ungeplünderten Grab der berühmten Tuareg-Fürstin Tin Hinan. Sie wurde erste Königin der Tuareg und bis heute wird sie von ihrem Volk "Unsere Mutter" oder "unser aller Mutter" genannt. Ihr Grabmal wurde von vielen Menschen besucht und sogar als Kultstätte, Wallfahrtsort genutzt. Im Grab selbst wurde offenbar meditiert und Heilschlaf gehalten. Als nun endlich die Archäologen auf die Stätte losgelassen wurden, fand man das Grab völlig unbeschädigt. Das Skelett der Tin Hinan wurde auf einem Holzbett entdeckt. Reiche Schnitzereien und Grabbeigaben zeugten von ihrer Beliebtheit. An ihren Unterarmen trug sie noch immer jeweils sieben Armbänder aus Silber (rechts) und sieben Armbänder aus Gold (links).
Eine Anmerkung noch zur Mode: Es gibt in den Bergen der Sahara viele Frauendarstellungen aus den Tagen der Stein- und Bronzezeit. Immer wieder sind die bewaffneten Damen in unterschiedlichster Klamottage zu bewundern: Im Mini-Röckchen Marke Tunika und im sittsamen "Bis-zu-den-Knöcheln-Gewand". Die Mode wandelte sich auch bei Amazonens im Laufe der Zeit. "Tailliert" war aber offenbar längere Zeit en vogue, was die Legende von drallen Kampfmaschinen tatsächlich als männerschützende Fabel offenbart. Sie waren den männlich dominierten Stämmen offenbar zunächst waffentechnisch voraus: als Bogenschützinnen und Reiterinnen. Mit diesem Konzept brachten bekanntlich noch die Hunnen Europas schwer gerüstete Heere zur Verzweifelung. Ein weiterer, vielleicht weitaus wichtigerer Punkt: Amazonen waren exzellente Strategen und ihre Frauen interessierten sich früh und intensiv für Schriften und die damit verbundenen Künste. Übrigens: Die "Vertreibung aus dem Paradies" könnte tatsächlich die Vertreibung aus der unwirtlich werdenden Sahara gewesen sein. Die viel geschmähte Lilith - Adams erste Frau - könnte also ebenso schlicht und einfach eine Amazone gewesen sein und ihm in seinem erwachenden Macho-Stolz den Stinkefinger gezeigt haben. Eva, etwas willfähriger, hätte sich demnach mit Adam ins Reich der Juden aufgemacht und beide - samt ihren Anhängern - Spiritualität und Religion der Israelis massiv beeinflusst haben.
Doch das ist eine andere Geschichte....
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