Berühmte Amazonen III

Myrene wurde also ein Titel für fast jede Königin des Stammes, weil man die ursprüngliche Myrene für die erfolgreiche Umsiedlung und die gelungenen Friedensverhandlungen mit den Gorgoniern ehren wollte. Am Ende waren ihre Bemühungen derart gelungen, dass sich beide Völker zu einer Nation zusammen taten.

Die nächste Myrene, die namentlich erwähnt wird, hatte vor allem mit der aufstrebenden, gerade geeinigten Weltmacht Ägypten zu tun. Dessen Armeen vertrieben Stämme aus den Grenzregionen zu Lybien hinein in den Amazonenstaat, wo es zu heftigen militärischen Auseinandersetzungen mit den Flüchtlingen kam. Diese Myrene war nun ein äußerst geschickter Stratege und trainierte die defensiv geschulten Amazonen um und machte aus ihnen eine Offensiv-Armee. Mit Angriffen von See und Land aus übernahm Myrene die Macht in Syrien, Ägypten, Phrygien, Palästina und anderen Mittelmeeranrainern. Doch die Besetzung der Länder dauerte nicht lange, bis auf Phrygien machten sich alle eroberten Regionen schnell wieder selbstständig. Den Königinnen war klar, dass eine gewaltsame Eroberung von Ländern auf Dauer nicht halten konnte. Zu verschieden waren die Ansichten, Kulturen und Religionen innerhalb der umstrittenen Regionen. Zu stark war bereits die Position der aufstrebenden patriachaischen Systeme. Die starke Religiösität, die Philosophie und Kunst der Frauen-Nationen wurde von den anderen Regionen zwar teilweise assimiliert, aber offiziell doch abgelehnt.

Die nächste Myrene ist eine alte Bekannte, sie half Ephesus zu gründen. Sie war zwar - so überliefern es selbst kritische Zeitzeugen - eine furioser Kämpferin und mitreißende Kommandantin, sondern eine für damalige Zeiten auch einmalige Diplomatin. Und ein Fan von reibungsloser Kommunikation. Man könnte sie u.a. als Urmutter des Pony-Express bezeichnen, denn sie baute ein umspannendes Netz von "Postreitern" auf, die ihr eine seinerzeit einmalig schnelle Kommunikation mit den entlegensten Winkeln der Förderation ermöglichte. Mit Hilfe dieser Reiter formte sie offenbar ein hoch effizientes Netz von Bündnissen, Pakten und Abkommen unter den einzelnen Amazonenstaaten, Sypathisanten und potentiellen Bündnisgenossen. Diese Myrene gründete einige Städte, (u.a. Myrene in Aeolien, Smyrna in Lydien), verehrte u.a. die Meeresgöttin Sipylene und starb schließlich in Kämpfen mit Skythern und Thrakern... beide hatten das Kämpfen von Amazonen gelernt. Ihre Grabstätte ist die Bateia, der Dornenhügel, liegt in der Nähe von Troja.

Mitylene - (Mond ohne Hörner) ist die Schwester der zweiten Myrene und wurde von ihr als Verwalterin auf Lesbos eingesetzt. Die Hauptstadt dieser Insel wurde später nach Mitylene benannt, ein Dank der herrschenden Schwester.

Myrto - (die Meeresgöttin) ist auch die Bezeichnung einer Wesenheit der Aphrodite, als Kriegs-und Sturmgöttin der Meere. Sie war die Mutter des Autolycos, der unter seinen Verbindungen zum Amazonentum zu leiden hatte.

Orithia - (die Frau, die in den Bergen tobt, die die Berge überragt) ist die Tochter der Marpesia. Sie griff die griechischen Stämme an, um Antiope zu befreien und den Tod der Hippolyta zu rächen. Dabei gelang es ihr durch diplomatische Schachzüge die skytischen und thrakischen Sklaven in Athen zum Aufstand aufzustacheln. Gleichzeitig machte sie sich auf den unmöglichen Marsch über die landschaftlichen Unwegbarkeiten des kimmerischen Bosperus, über den Danube, dann durch Tharkien, Thessalien und Boeotia. Die siegessicheren Athener Truppen wurden von der praktisch undezimierten Armee der Amazonen und der rebellierenden Sklaven in die Zange genommen und vernichtet. Völlig geschockt unterschrieb der Senat von Athen einen Friedensvertrag, in dem eine posthume Ehrung von Antiope und Hippolyta vereinbart wurde. Außerdem musste die Stadt alle Sklaven entlassen. Doch Oritiha wurde in der Schlacht mehrfach verletzt und ließ sich von den Athenern nicht behandeln. Auf dem Heimweg infizierten sich ihre und die Wunden anderer Amazonen, eine tödliche Angelegenheit. Oritiha und zahllose Mitstreiterinnen säumen in kleinen Gräbern den Heimweg dieser an sich so erfolgreichen Armee. Rein strategisch ist der Marsch von Orithias Armee übrigens weitaus bewundernswerter, als der des Hannibal....

Otrere - (die Flinke, Behende) war eine Architektin und baute für die Amazonen Tempel und Festungen. So unter anderem auf Aretias, der berühmten Insel im Schwarzen Meer. Hier entstand der großte Tempel der Artemis und das umliegende Vogel-Heiligtum unter ihrer Leitung. Sie wurde nach ihrem Tod zur Halbgöttin erhoben.

Pantariste - (die Beste von allen) war eine Kriegerin aus Scythien und leitete allerlei Aktionen während des zweiten dorischen Krieges. Ihr Kriegssymbol war ein weißer Sphinx. Der Überlieferung nach war sie eine außergewöhnliche Speerwerferin und verfügte über enorme physische Kraft.

Penthesilea - (die Männer zur Trauer, Aufgabe zwingt) ist nun eine jener Damen, deren Name selbst halbgebildeten Klippschülern bekannt sein könnte. Zwei mögliche Mütter stehen zur Auswahl: Orithia oder Kleite. Penthesilea stammte aus dem nordtürkischen Raum und hatte zwei Schwestern: Hippolyta und Antianeira. Letztere war wahrscheinlich ihre Nachfolgerin. Penthi war ein zuverlässiger Bundesgenosse und kam den troischen Fürstinnen gleich beim ersten Hilferuf mit einer kleinen aber feinen Truppe zu Hilfe. Es gelang ihr, den Umklammerungring der Griechen zu sprengen und den Heroen Achill zu töten. Nur mit Verrat kam man dieser Kriegerin bei und das auch noch durch einen Priester des Apoll. Penthesilea war allerdings nicht - wie Homer uns weismachen will - die letzte Große aus dem Volk der Amazonen. Troja fiel 1200 vor Chr. und das Ende der letzten Amazonen-Staaten datiert in etwa um 500 v. Chr. Diese Königin wird aber zum tragischen Symbol der beginnenden Endlos-Invasion patriachaischer Strukturen gegen die kleinasiatischen Frauen-Königreiche. Mit ihr kämpften vor Troja unter anderem Aina, Andro, Androdaira, Alkibia, Antandre, Antibrota, Bremusa, Derimachea, Derinoe Evadne, Harmonthoe, Hippothoe, Klonie, Polemusa, und Thermodosa.

Pleiaden - (die Segelnden, die Herden der Möven) waren natürlich Sieben. Eigentlich Töchter der Aphrodite in ihrer Form als Möven-Göttin. Von ihnen ist nur bei Taygete eine Amazonen-Vergangenheit überliefert. Jedoch: Auch die Damenwelt hatte ihre eigenen Pleiaden und das waren Töchter einer vergessenen Königin. Diese Gruppe war künstlerisch aktiv, schrieb Lieder und Musikstücke, führte sie auf und inszenierte große Feste zu Ehren der Göttin Artemis. Ihre Namen werden mit Glaukia (Grau-Grün), Lampedo (Kerzenlicht), Kokkymo (wirbelnde Welle), Maia (die große Mutter), Parthenia (das Mädchen), Poris (die Erste) und Stonychia (der Haken, scharfe Stelle) überliefert...

Salome - hebräisch, "die Friedliche". Faszinierende Frau,wird in im Neuen Testament erwähnt (Matthäus 14, 1 - 12) und Markus 6, 14 - 29) Salome, die Verheissende, die Betörende, die Prinzessin mit den sieben Schleiern. Tochter des machthungrigen Herodias, Weib des Herodes Antipas. Es wird sogar gemunkelt, Salome sei eine der drei Marien gewesen die am Grabe Jesu standen. Hohepriesterin, Tempeltänzerin, Prostituierte... Der Tanz der sieben Schleier, den sie vollführte, war ein heiliges Ritual. Wie schon bei Isis, die sieben Gewänder trug, symbolisieren die sieben Schleier der Priesterinnen die sieben Schalen des weltlichen Seins.
Indem während des Tanzes diese zarten Schleier abgelegt wurden, sollte ganz zum Schluss das Wahre, das Wirkliche des nackten menschlichen Seins offenbar werden. Die Tempeltänzerinnen waren dafür verantwortlich, die Menschen durch Opergaben und Ritualen von den Lasten der Welt zu befreien. Salome ist eine starke Frau, die weiss was sie will und es auch bekommt. "Gib mir den Kopf von Johannes"! Und sie bekommt ihn. Es gibt durchaus auch Berichte, nach denen Salome selbst zum Schwert griff und den Täufer enthauptete.
Wieder andere Schriften berichten von Salome als eine Kriegerin, die sie gewesen sein soll, und die Johannes nur enthauptete, weil er den Frauen die gleichen Rechten wie den Männern absprach. Eine Variante, die im Laufe der Jahrhunderte vor allem von interessierter religiöser Seite nachhaltig in den Hintergrund gedrück wurde. Salome hat vor allem die männliche Fantasie über die Jahrhunderte hinweg angeregt. Lasziv, männermordend, femme fatale mit dem lockenden Schoß, der Verderben bringt ... (wie bei den antiken Amazonen-Archetypen die wohl ihre Liebhaber nicht immer 'lieb hatten') (Helvetia, ergänzt vom Harfner)

Synope - (Gesicht, Wesen des Mondes) ist die Tochter der Marpesia. Nach ihr ist eine Stadt am Schwarzen Meer benannt, die sie selbst gegründet hat. In einigen Kriegen vertrieb sie die griechischen Invasoren derart gründlich, dass sie bei den Hellenen nur noch "Kriegsfurie oder Furie des Ares" genannt wurde. In einigen Mythen wird sie als wunderschön beschrieben, so schön, dass gewisse Götter Schlange für ein Schäferstündchen standen. Sie boten alles, für ihre Gunst. Doch in geerbter Schläue von ihrer Frau Mama trickste sie die Götter aus und zwang sie, sich zurück zu ziehen.
Theseis - (die nieder legt, die Niederlegende) war niemand, der sich selbst nieder gelegt hätte. Wohl aber die wesentlichen Grundsätze für Recht und Ordnung. Sie wird mit Themis in Zusammenhang gebracht, hat aber auf jeden Fall die wohlgeformten Finger im Rechtssystem der Amazonenstaaten. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Antiope hinter dem Namen versteckt. Oder besser: versteckt wurde.

Xena - (die es als Amazone nie wirklich gab), die aber viele der erwähnten Damen als Vorbild hat. Kriegerprinzessin, erst wild, dann helfend und fast mild. Ein amüsantes Serial, weil es ganz offen nichts in der Geschichte ernst nimmt, Personen und Zeiten wild vermischt und obendrein von einem Mann inszeniert wurde: Ted Raimi. Dennoch möchte ich an dieser Stelle vor allem Lucy Lawless und Hudson Leick (Callisto - die mit dem einmaligen Lächeln, der man ein Spin off wünscht) für viele unterhaltsame Stunden danken.