Spurensuche bei den Kelten und Römern in Britannien

Arthurs Regionen ohne kriegerische Damen? Undenkbar.! Bei Yorkshire entdeckten Archäologen unlängst ein sonderbares Frauengrab. Sonderbar vor allem wegen der Beigaben. Es handelte sich nicht etwa um Schmuck etc., sondern um Kriegsgerät aller Art, bis hin zum Panzer der Antike: einem Streitwagen. Die Grabanlage stammt aus dem Jahr 300 vor unserer Zeitrechnung. Knapp 300 Jahre später gab es einen Streit darüber, ob römische Gouverneurs-Gattinnen ihre Männer auf Feld- und Streifzügen durch die Provinz begleiten sollten. Nur weil sich Caecina Serverus dafür aussprach, wissen wir von einigen sonderbaren Verhältnissen in der Legion. Es wird angesprochen, dass sich ohnehin Kriegerinnen zwischen den Legionären aufhalten und das eine gewisse Pancina die Paraden und Manöver der Legionen leiten würde.

Im Süden der Themse-Region fand sich schließlich ein Grab von einer Frau, die offenbar als käufliche Kämpferin ihren Unterhalt verdiente. Vielleicht in den Arenen, vielleicht aber auch als Kriegerin, oder beides. Sie war offenbar Ende 20, hatte außer Waffen auch andere, reiche Grabbeigaben und wurde zu ihrer Zeit hoch geehrt. Dabei war sie offenbar weit herumgekommen. Es fanden sich Lampen mit den Symbolen des ägyptischen Totengottes Anubis, Pinien-Zapfen aus allen Bereichen des mediterranen Raumes (Souvenire?) und andere Stücke aus allen Teilen des Imperiums. Eine Gladiatorin? Eine Söldnerin? Gegen die Theorie des Gladiatorengrabes spricht eigentlich der Fakt, dass andere Gräber berühmter Arenenkämpen, die man z.B. in Deutschland fand, bei weitem nicht so luxuriös und reich ausgestattet waren. Eine der schönsten Amazonen-Possen bietet uns eine Gruppe weiblicher keltischer Gefangener, die dem römischen Kaiser Claudius vorgeführt werden sollten. Ohne zu zögern ließen sie den Kaiser links liegen und unterwarfen sich statt dessen der Kaiser-Gattin: Agrippina die Jüngere. Immerhin war Claudius amüsiert... Tiberius selbst arbeitete bei der Eroberung von Britannien mit einer gewissen Caritmandua, Königin der Söldner, zusammen. Nach Tiberius Tod übernahm sie die Regentschaft in Teilen von Britannien. Ihr Kriegskumpan Venetius rebellierte gegen die Dame, die flugs Legionen zur Unterstützung aus Rom erhielt. So merkwürdig sich Rom gegenüber Matriarchaten im eigenen Land auch verhielt, in Bezug auf Britannien reagierte man am Tiber pragmatisch und akzeptierte die matriarchaische Führungsstruktur in Britannien total. Wahrscheinlich auch in anderen Regionen des Imperiums, wo dies eben "Usus war".

Dann natürlich der Stoff, aus dem Legenden sind: Bouddicca/Bodiecia/Bouddica/Voada/Voadica! Sie war Witwe von König Prasutaugs von Iceni, einem Verbündeten der Römer. Und sie führte die Regierung für ihre beiden Töchter, die laut Testament die eine Hälfte des Reiches erben sollten. Die andere Hälfte fiel nach dem Willen von Prasutagus. Um die andere Hälfte auch noch einzufegen, provozierten bestimmte Kreise einen Krieg mit den Kelten, in dem sich Boudicca - eigentlich im Recht - nun auch ins Unrecht setzte. Die eigentlich über die eigene Führen entsetzten Legionen liefen zur Höchstform auf und zerschlugen eine Rebellion, bei der mehr Frauen unter Waffen gestanden haben sollen, als Männer. So berichtete Feldherr Suetonius dem Zeitzeugen Tacitus. Für beide Seiten war der Aufstand der Bouddicca (50-61) alles andere als ein Ruhmesblatt. Genau genommen war es der Anfang vom Ende einer sehr fruchtbaren und vertrauensvollen Zusammenarbeit von englischen Kelten und Römern und schwächte das Imperium im Norden in der Folge massiv.

Das die Welt der Amazonen faszinierte natürlich auch krude Köpfe wie unseren altbekannten Verrückten Nero. Er ließ Frauen trainieren und sie in der Arena unbotmäßige Senatoren verprügeln. Petronius erwähnt in seinem "Satyricon" eine Gladiatorin, die als Wagenlenkerin gegen Männer kämpfte und die reihenweise erlegte. Und mangels Fussballspiel schreib der Poet Statius anno 88 n. Chr. eine Art Schlager auf die "großartigen Spiele des Domitian", in denen neben wilden Afrikanern auch Pygmäen und Frauen bis auf die Zähne bewaffnet antraten. Man nannte weibliche Gladiatoren unter der Hand Venatoren. Diese Berufsgladiatorinnen müssen wahre Muskelpakete und Brecher gewesen sein, denn Zeitzeugen berichten, dass manche männliche Gladiatoren neben den Damen wie "zierliche Knaben" aussahen. Eine endgültige Bestätigung solcher Dinge boten die Funde von Pompeji, in der Inschriften auf die Aktionen von Gladiatorinnen explizit hinwiesen. Kaiser Septimus Severus (Regierungszeit 193 bis 211) gilt als weiterer, prominenter Fan von Gladiatorinnen.