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Circe/Kirke/Kirkee
(die Scheue Göttin) ist der Sage nach die Tochter des Helios und der Perseis (eine Tochter des Okeanos) Wir kennen die Dame vor allem durch die Odysseus-Sage, und aus ihr in keinem allzu guten Licht. Der Grieche landete mit seinem Trupp an der Insel Aiaia, um neue Vorräte an Bord zu nehmen. Interessanterweise fanden sie Zustände vor, die an das biblische Paradies erinnerten: Raubtiere gingen friedlich neben Nutztieren und Pflanzenfressern. In der Erinnerung der Griechen müssen diese Tiere natürlich alle unter Drogen gestanden haben. Ähnlich berauscht fühlten sich die Abenteurer, als sie Circe erstmals singen hörten und sie dann sahen. Es muss überwältigend gewesen sein. Natürlich benahmen sich die Herren (das verschweigt der Heldenepos) gleich wie die Ferkel und wurden auch prompt in solche verwandelt. Wir erinnern uns: Odysseus kam von Troja heim und die Stadt gehörte ganz offensichtlich zur Amazonen-Allianz. Wen wunderts, dass Circes Sympathien eher mit den Troern, denn mit den Hellenen gingen? Wie auch immer: Odysseus wollte seine Freunde natürlich nicht vierbeinig am Trog enden lassen und ging höchstpersönlich zur Zauberin. Unterwegs begegnete ihm Hermes, der ihm einige Tipps und Geheimwaffen im Umgang mit Kirke zuspielte (Patriarchat v.s. Matriarchat). Mit Hilfe dieser Dinge trickste Odysseus Circe aus und befreite seine zwanzig Ferkel, pardon, Männer. Nun wiederum half Circe den Abenteurern weiter, verriet ihnen Tricks gegen Hades und Poseidon. Odysseus segelt weiter, kehrt aber noch einmal zurück nach Aiaia. Wieder gibt ihm die Zauberin gute Ratschläge, um den Sirenen (Amazonen), der Skylla und der Charybdis aus dem Wege zu gehen, bzw. sie zu überwinden. Warum? Nun, jetzt hatten Odysseus und Circe zwei gemeinsamen Kinder: Agrios und Latinos. Blut ist eben dicker als.... auch bei Amazonen!
Allerdings beschränken sich unsere Informationen zu Circe nicht allein auf die Odyssee. Ihr Bruder war Aeëtes, ihre Schwester Pasiphaë. Alle Drei waren - wir erwähnten die Eltern bereits - also Halbgötter. Von Anfang an hatte Circe ein fröhliches Vergnügen darin, Wesen zu verwandeln. Da war zum Beispiel ein gewisser Glaukus, der sich - sowas kommt vor - unsterblich in die wunderschöne Nymphe Scylla verliebte. Doch die Traumdame bekam seinetwegen nicht einmal annähernd feuchte Träume. Stattdessen wies die Wassermaid ihn barsch ab. Glaukus düste in einer Mischung aus Liebeskummer und verletztem Stolz zu Kirke, die ihm helfen sollte. Ja, sie half dem schönen Jungen: doch zunächst einmal in ihr eigenes Bett. Dort packt den Knaben die Reue und Circe die Eifersucht. Sie wirft allerlei geheimnisvolles Kraut in den liebsten Quell der Nymphe und wartet ab. Die Ahnungslose badet und verwandelt sich in jenes Monster, das Jahrhunderte später die Jungs um Odysseus in Angst und Panik versetzte. Doch damit nicht genug: Die Römer berichten, dass der Wald- und Feldgott Picus einst von Circe umworben ward. Als er ihre Offerten ausschlug, verwandelte sie ihn in einen Specht... Waldspecht. Man kennt die Mär von Picus, dem Waldspecht, hoffe ich!
Noch eine Nummer schärfer war Schwesterchen Pasiphae. Sie heiratete den Minos und legte ihm einen besonderen "Keuschheitsgürtel" um: Wann immer er im Ehebruch eine andere Frau befruchten würde, würde die Ärmste ein wildes Tier gebären, dass sie im Kindbett tödlich verletzt. Doch Pasipahe machte einen Fehler, denn die schöne Procris gab Minos einen Zaubertrank der Circe und teilte dann das Bett mit ihm. Dafür kassierte sie einen Wunderhund (eine antike Lassie) und einen Superpfeil ein.
Tja, und Aëetes? Junge, Junge, das war der in Argos, der Jason und seinen Argonauten samt zauberischer Tochter Medea so viel Ärger bereitete. Obwohl: Juristisch gesehen war Aëetes ja im Recht und Jason der Dieb. Allerdings wie er sich gewehrt hat: Mit Tiermaschinen aus der Werkstatt des Schmiedegottes Hephaistos, mit Drachenzähnen aus den Händen der weisen Athena und mit - im Vergleich - ordinärem Mord und Totschlag. Medea setzte dann übrigens die eifersüchtige Linie der Väter und Tanten fort. Als Jason sie nach dem Coup schmählich sitzen ließ, um die schöne Glauke zu ehelichen, griff Medea mit der ehrlichen Wut einer gekränkten Göttin an. Sie ließ der Braut einen vergifteten Mantel überreichen (pass auf, Herkules!!) und die Ärmste starb in grauenhaften Qualen. Mehr noch: Medea tötete ihre beiden Kinder von Jason, ging heim ins Reich der Kolchier, vertrieb dort den Ursuparot Perses und setzte ihren Vater wieder auf den Thron. Bevor wir es vergessen: Um mit Jason samt Flies fliehen zu können, hatte sie nicht nur Land, Leute und Vater verraten, sondern auch ihren Bruder Apsyrtos ermordet. All das war natürlich auch in der Antike Sünde. Auch von seiten der Argonauten. Aber hier half Circe, sich von den Sünden zu befreien. Es geht aber die Geschichte, dass sie damals nicht wußte, wem sie half. Nun denn...
Ein paar Generationen nach Medea trudelte dann Odysseus auf Circes Insel ein. Kann sein, dass Circe - nun schlauer - auch in dem Zusammenhang noch einmal ihrer Wut freien Lauf ließ. Aber letztlich half sie ihm nach Kräften: Ohne Circe wäre Odysseus nie wieder in Ithaka gelandet. Ihr gemeinsamer Sohn Telegonus streunte dann später gen Ithaka um den Papa kennenzulernen. Das Unternehmen stand unter keinem guten Stern, denn Sohn erschlug versehentlich Erzeuger. Nahm dann aber den Alten Huckepack und brachte ihn zu Circe. Was dort mit ihm geschah, ist nicht ganz klar. Es gibt Berichte, nach denen auch Penelope mit nach Iaia kam, dort unsterblich gemacht wurde und Telegonus heiratete. Eine durchaus übliche Praxis, dass der Verursacher eines Wegscheidens die hinterbliebene Witwe heiratete. Circe ehelichte offiziell den Sohn von Odysseus und Penelope: Telemachus...
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