Die wilden Weiber von Germanien...

Gibt es in den germanischen Mythen Hinweise auf Amazonen? Zumal man(n) ja weiß, dass die Damen ohnehin sehr wehrhaft waren und notfalls auf Freund und Feind mit der Keule losgingen. Sicher ist: die Germanin war in der sozialen Struktur ihrem Gatten gegnüber gleichrangig. Und sie wußte ihre Interessen durchzusetzen, auch privat. Aber Amazonen? Gehen wir zurück in "die Nebel des Neolitikums", ca. 40. bis 35.000 Jahre vor unserer Zeit. Vielleicht gab es noch ein, zwei Neandertaler, doch die meisten Menschen, die da im später germanischen Raum rumdüsten, waren schon Cro-Magnons, also "Homo sapiense"... Sie entwickelten viel feiner Jagd- und Kampftechniken, neue Formen der Kunst und Kleidung und auch andere Formen der Religion. Und man entwickelte die Horde zum Stamm weiter, den Stamm zum kleinen Volk. Stämme und Sippen schufen sich ihre Totems, und formten spätestens 20000 v. Chr. geschnitzte und tönerne Idole, u.a. Bilder der Großen Göttin, der Magna Mater. Manch weiblicher Mac-Donalds-Fan von heute wäre in jenen Tagen Symbol von Fruchtbarkeit und Mutterschaft geworden. Und in den Stämmen hoch verehrt. Kurz und gut: Vieles deutet auf matriarchaische Strukturen hin. In dieser Zeit wurde es chic, nicht nur das Können der Alten zu kopieren und zu übernehmen, sondern vor allem erfolgreich eigene Erfindungen, Strategien und Künste zu entwickeln. Der "nachäffende Mensch" entwickelte sich zum Forscher, zum Erfinder.

In der germanischen Region wurde der Raum früh eng, spätestens ab 3000 v. Chr. zogen diese unruhigen Menschen aus verschiedensten Gründen in die verschiedensten Himmelsrichtungen. Viele allerdings blieben und erlebten die Bronzezeit vor Ort. Ganz weit oben, also in Schweden, Dänemark, Schleswig-Holstein und MacPomm tummelten sich Leute, die mit Vorliebe Großsteinbauten hinterließen. Zumeist Grabanlagen. Man/frau glaubte an ein Leben nach dem Tode und richtete sich entsprechend ein. Für das Wohl und Wehe der guten Leute war die Magna Mater, die große Mutter Erde verantwortlich, die Getreide, Wild und Vieh produzierte. Und dank des Geburtsmythos auch für Nachkommenschaft sorgte. Jeder, der ihr Respekt erweisen wollte, dürfte eine Magna-Mater-Statue im Haus gehabt haben. Einige haben sich als sogenannte Venus-Darstellungen in unsere Zeit und in die Museen gerettet.

Ziehen wir nun die Edda zu Rate, könnten wir in den Wanen eben jene Götter/innen erkennen, die von den Steinbaumeistern angebetet wurden. An wen können wir uns erinnern? Die Geschwister Freyr und Freija zählen dazu. Außerdem der oder die Nöjrd, Nerthus (Magna Mater), Ullr und die Walküren. Letztere sind Symbol für Frauen, die auch auf Erden ohne zu Zögern in waffentechnische und andere Händel eingriffen. Mußte Frau ja auch zur damaligen Zeit, nebenbei gesagt. Interessant ist, dass die Walküren als Mittler zwischen Göttern und Menschen gelten (Priesterinnen), dass sie mit bildnerischer Kunst, Kultur im Allgemeinen, Poesie, Prophetie, Wissen und Erfindung in Verbindung gebracht werden (man vergleiche mit den weit entfernten Tuareg). Und noch ein Hinweis: Die Sage spricht von einem heiligen Hein auf einer Insel des Ozeans, auf der die Göttin ihren Ursprung hat. (Dänikinisten weisen in dem Zusammenhang auf gern auf den ominösen Wagen hin, der auf jener Insel im Hain gestanden haben soll, mit einer Plane abgedeckt, und mit ominösen Riten geehrt.) Wie auch immer, auf der Insel selbst ist das Führen von Kriegen verboten, Waffen werden nur zu Feldzügen außerhalb der Inselregionen hervorgekramt. Weiter südlich, z.B. Bayern (wen wunderts), Hessen etc. hatte sich derweilen eine Sippschaft herangebildete, deren vornehmstes Interesse der Entwicklung von Kampfgeräten galt. Sie waren Meister in der Herstellung der Streitaxt und nahmen diese auf all ihren Streifzügen mit. Auch hier findet sich eine Parallelle in den Erzählungen der mediterranen Völker.